Dawdling away
Epsilon

Ritual

Alte unveränderliche Handlungsmuster, immer gleich, vertraut für die Zelebranten, ein bekanntes, erwartetes Bild.

Er hatte Angst. Weil er die Zeremonie zum ersten Mal durchlief, weil er wusste, dass jeder hier den kleinsten Fehler von ihm sehen würde. Dass sie ihn daran messen und sagen würden: "Er ist ja noch so jung."

18.3.09 12:57


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Schutz

Schutz suchen hinter Mauern, jahrelang aufgebaut und gefestigt, stark und unumstößlich, nicht durchdringbar. Von keiner Seite. Jetzt drohte er sich mit diesen Mauern selbst zu ersticken, immer enger hatte er sie gezogen, mehr Gefahren ausgesperrt und gleichzeitig den Raum für Leben geopfert.

Schutz suchen in Armen, hinter Worten, die beides können: halten und freigeben.

Schutz suchen in der Gewissheit, Heimat zu haben, in der Gewissheit, dass die Arme und Worte das tun, was er braucht.

Schutz suchen in der Weite. In der Vielfalt seiner Fähigkeiten, das Fundament gebaut auf zu vielen Säulen, als dass alle gleichzeitig fallen könnten.

18.3.09 12:56


Führungslos

Sie lief weiter, aber nur weil Stillstand und Bewegung sich nicht mehr unterschieden. Sie fühlte sich wie ein Sandkorn in einem Sandsturm, hin- und hergewirbelt, ohnmächtig, schwindelig von den Kräften, die an ihr zerrten, und gleichzeitig taub und blind und gefühllos in einem Zustand der Schwerelosigkeit, ohne Bezugspunkte, Koordinaten, fehlendes Input und gelähmt von dem absoluten Nichts um sie herum.

Warum sie noch lief, obwohl es in alle Richtungen nur noch bergab ging und sie kein Ziel mehr hatte, zu dem sie wollte - weil stehenbleiben aufgeben gleichkäme. Und so war es zum ersten Mal ihre Sturheit, die sie rettete.

18.3.09 12:54


Kontrolle

Er öffnete die Tür nicht sofort. Die Hand auf dem Weg zur Klinke eingefroren, die Augen geschlossen, atmete er tief durch. Schob seine Unruhe in die hinterste Ecke seines Bewußtseins, kettete sich an die Lüge, die er schon so oft beschworen hatte, dass sie fast wahr schien.

Mit einem Lächeln betrat er den Raum.

18.3.09 12:53


Verletzung

Er hatte ihn zum ersten Mal geschlagen. Mit der flachen Hand, mitten ins Gesicht, die Brille klappernd zu Boden gefegt. Er spürte, wie seine Lippe aufriss, anfing zu brennen und Sekunden später ein, zwei warme Tropfen sein Kinn hinunterliefen.

Doch das war ihm egal. Er hob wortlos seine Bille auf, wischte das Blut weg. Die eigentliche Wunde war innen, unsichtbar. Sie war nicht groß, nicht tief, schmerzte nicht – noch nicht -, aber sie war tückisch. Noch zeigte sie sich kaum, war nur ein feiner Riss in seiner Maske. Doch sie würde wachsen, seine Maske zerbersten und er würde fallen.

9.11.08 19:36


Suche

Sein Leben lang – oder, um genauer zu sein – in den letzten fünf Jahren, seit er wieder aus seinem Puzzle befreit war, hatte er sich auf der Suche befunden. Er wollte wissen, wer er war, woher er kam, was seine Aufgabe war – kurz, den Sinn seiner Existenz. Die ganzen letzten fünf Jahre hatten er und Yuugi und – natürlich – ihre Freunde sich – frei gesagt – den Arsch dafür aufgerissen, die Antworten dazu zu finden.

Sie hatten sich duelliert, mit Kaiba herumgeschlagen, noch mehr duelliert, sich ein paar Mal in Lebensgefahr begeben, duelliert, waren um die ganze Welt geflogen, hatten duelliert, Zeitreisen in die ägyptische Vergangenheit gemacht, duelliert, psychisch gestörte Verrückte mit Milleniumsgegenständen besiegt und – ach ja, duelliert.

Es hatte ihm seinen Namen gebracht und das Wissen, dass er früher mal ein ultracooler mächtiger badass-Pharaoh gewesen war. Seine Aufgabe hatte er nicht gefunden.

Nun saß er in seiner unbemerkten Geistform neben seinen Freunden irgendwo auf einer Wiese und sah zu, wie Joey einen Hotdog-Fresswettbewerb mit Honda veranstaltete. Er dachte über nichts Besonderes nach und lehnte sich mit geschlossenen Augen an den Baum hinter ihm. Otogi riss irgendeinen dämlichen Witz über Fressnäpfe und Ketchup, den er nicht verstand, aber als er in das ansteckende Lachen der Gruppe mit einfiel, wurde ihm plötzlich bewusst, dass er vielleicht überhaupt keine Aufgabe hatte. Keine brauchte. Dass das hier der Ort war, an dem er sein sollte, und dass seine Suche schon längst zuende war.

9.11.08 19:31


Sieg

He had lost. But the word held no bitterness to it - he smiled. He had lost and he could hear his teammates cry out in frustration and disbelief. But he smiled. Finally he had been set free.

Freed of his own arrogance, his fear of not being the best, his inability of letting go something he was good at but didn't love doing. He was free to start over from the beginning.

And so his loss - to him - was a victory all over.

8.8.08 21:57


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