Dawdling away

Buch

Keigo kannte zwei Sorten von Büchern: die, die er besaß, und die, die er gelesen hatte. Die ersteren standen in einem Regal in seinem Zimmer, weil es zum Bild gehörte, das seine Eltern von ihm hatten, weil es zu dem Menschen passte, den sie gerne als Sohn hätten. Er kannte von allen den Inhalt, hatte jedes Wort aufgenommen und verarbeitet. Diese Bücher waren gut behandelt worden, sorgfältig aufgeschlagen und ordentlich ins Regal zurückgestellt. Aber Keigo hatte sie nie wirklich gelesen.

Bücher mit eingedellten Einbänden, Kaffee- und Schokoladenflecken, fast am Auseinanderfallen, mit dazunotierten Bemerkungen und Worten am Rand. Diese gehörten nicht ihm, sondern Yuushi, und sie machten ihn zu dem Freund, der er für ihn war. Yuushi lieh ihm die Bücher nie, sondern verlor sie im Clubraum, verwechselte Keigos Tasche mit seiner eigenen oder ließ sie einfach kommentarlos auf Keigos Platz liegen. Eine Bruckner-Biographie war das letzte gewesen, davor Briefe von Rilke und Schillers "Räuber". Keigo weigerte sich allerdings, "Stolz und Vorurteil" zum sechsten Mal zu lesen.

(Und das hatte absolut nichts mit den ganzen Zetteln zu tun, die er immer für sich darin fand.)

25.7.09 18:02
 


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